Vom 07.-11.04.2026 fand in Frankfurt am Main der Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes statt. Unter dem Motto „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen: exempla et errores“ beleuchteten nicht nur Klassische Philologen und Althistoriker, sondern auch Referenten aus anderen Disziplinen und Bereichen in mehr als 50 Vorträgen und Workshops sowie auf einer Podiumsdiskussion aus verschiedensten Perspektiven das Potential der Auseinandersetzung mit der Antike für die Demokratiebildung.
IG-Farben-Gebäude der Universität Frankfurt am Main
Alea iacta est – Caesars Spiel um die Macht und die Folgen für Rom und die antike Welt
Dabei habe ich in meinem Vortrag „Alea iacta est – Caesars Spiel um die Macht und die Folgen für Rom und die antike Welt“ aufgezeigt, wie die Beschäftigung mit dem Ausbruch des römischen Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius im Januar 49 v. Chr., mit dessen Ursachen und den Beweggründen der Akteure, aber auch mit den Folgen für die späte römische Republik als Beispiel für das Taktieren politischer „Parteien“ und Interessengruppen den Blick für solche Mechanismen auch in unserer Zeit schärfen kann. Darüber hinaus habe ich konkrete Impulse für die Behandlung dieses Themas nicht nur im Latein-, sondern auch im Griechisch- und Geschichtsunterricht gegeben. Der volle Hörsaal ebenso wie die angeregte Diskussion im Anschluss haben deutlich gezeigt, dass die Beschäftigung mit Caesar auch heute noch interessant und lohnenswert ist.
De utilitate Latine vel Graece scribendi – Latein / Griechisch im Unterricht schreiben?!
Neben diesem Beitrag zur Literatur, Kultur und Geschichte durfte ich beim „Didaktik-Slam“ in meinen Beitrag „De utilitate Latine vel Graece scribendi“ mein Konzept des Latein- bzw. Griechischschreibens im Unterricht und meine langjährigen Erfahrungen damit erneut einem interessierten Publikum vorstellen. Dass Dr. Marie-Luise Reinhard beim „Didaktik-Slam“ direkt vor mir zu Aspekten des Lateinsprechens im Unterricht sprach, passte umso besser. Auch die Rückmeldungen aus dem Publikum zu unseren Impulsen haben klar gezeigt, dass die lateinische Sprache alles andere als tot ist.
Außerdem bot der Kongress wie immer großartige Möglichkeiten, sich persönlich mit Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus intensiv auszutauschen.
Die Frage, warum Menschen anderen folgen und welche Eigenschaften ein guter Vorgesetzter, Anführer Herrscher oder politischer Amtsinhaber auf anderen Ebenen haben sollte, ist zeitlos und deshalb auch heute noch zentral für viele Bereiche unseres Lebens, nicht nur beim Militär und und in Verwaltungen, sondern auch in der Wirtschaft oder auch im Sport.
Xenophons Theorie der Menschenführung
Xenophon hat im 4. Jh. v. Chr. als erster Autor der Antike eine Theorie der Führung bzw. Menschenführung – neudeutsch „leadership“ – sowohl für den militärischen als auch zivilen (wirtschaftlichen wie auch politischen) Bereich entwickelt, die sein gesamtes Werk durchzieht.
Zentral für Xenophons Theorie der Menschenführung ist die Freiwilligkeit des Gehorsams bzw. des Folgens. Dafür müssen die Geführten erkennen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, das zu tun, was der Anführer vorgibt.
Zugleich empfiehlt Xenophon eine Reihe von Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die ein Anführer besitzen sollte: z. B. Fleiß; Ehrgeiz und Kampfgeist; die Fähigkeit, Disziplin herzustellen und aufrechtzuerhalten; Gerechtigkeit; Würde; Freundlichkeit; Großzügigkeit; Mäßigung und Bescheidenheit; Selbst- bzw. Affektkontrolle; zu handeln statt nur zu reden; die Fähigkeit, die Handlungen seiner Untergebenen zu planen, vorzubereiten und zu überwachen, sowie ständige Aufmerksamkeit und Wachsamkeit.
Die Auseinandersetzung mit Xenophons Theorie der Menschenführung ist auch heute noch lohnenswert – auch für Schülerinnen und Schüler.
Vorschlag für eine Unterrichtsreihe
In einem Beitrag für die Zeitschrift Der Altsprachliche Unterricht stelle ich daher einen Vorschlag für eine Unterrichtsreihe vor, welche die Lernenden dazu anregt, Xenophons Vorstellungen von guter politischer Führung herauszuarbeiten und mit Blick auf historische ebenso wie aktuelle Beispiele von Politikern zu diskutieren.
Magnus Frisch, „Leadership“ in der Politik. Xenophons Theorie der Menschenführung und des idealen Herrschers. In: Der Altsprachliche Unterricht 68.5 (2025). S. 44-51.
Didaktische Überlegungen
Ausgehend von der Fragestellung, was die Schülerinnen und Schüler von Politikerinnen und Politikern erwarten, die von ihnen gewählt werden, regt die vorgeschlagene Unterrichtsreihe die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, Xenophons Vorstellungen von guter politischer Führung herauszuarbeiten und mit Blick auf historische ebenso wie aktuelle Beispiele von Politikern zu diskutieren.
Auch die Gefahren, die im möglichen Missbrauch solcher „Techniken“ der Machtausübung liegen können, werden dabei problematisiert.
Anhand von Auszügen aus der Kyrupädie und dem Hieron, in denen Xenophon die Fragen der Menschenführung in Bezug auf den idealen Herrscher eines Staates behandelt und seine Überlegungen zur Menschenführung im Vergleich zu anderen Schriften am stärksten systematisiert, setzen sich die Lernenden in dieser Unterrichtsreihe besonders mit der für Xenophon zentralen Frage des freiwilligen Gehorchens, mit den notwendigen Eigenschaften und Fähigkeiten eines Herrschers, mit der Rolle der Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung (σωφροσύνη / ἐγκράτεια) für einen Herrscher und die von ihm eingesetzten Beamten sowie mit der Bedeutung der Menschenfreundlichkeit (φιλανθρωπία) des Herrschers und seiner Fürsorge und Großzügigkeit sowohl gegenüber seinen direkten Untergebenen ein als auch gegenüber der breiten Masse seiner Untertanen auseinander.
Exemplarisches Lernen und existentieller Transfer
Diese Textauszüge bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte zu unserer heutigen Lebenswelt und lassen sich auch auf demokratisch gewählte Politiker übertragen. Insgesamt decken sie sowohl Xenophons Grundfrage in Bezug auf die Menschenführung als auch seine wesentlichen Grundannahmen in großen Teilen ab.
Differenzierungsmöglichkeiten
Das Grundkonzept der Unterrichtsreihe lässt sich durch unterschiedliche Auswahl und Kombination der Textauszüge flexibel und differenziert umsetzen. Je nach eigener Schwerpunktsetzung und Interessen der Lerngruppe sowie zur Verfügung stehender Zeit sind verschiedene Kombinationsmöglichkeiten sinnvoll realisierbar.
Außerdem ist es möglich, die dargebotenen Textauszüge durch weitere Paralleltexte aus der Kyrupädie, den Memorabilien oder dem Hieron, der Anabasis, dem Oikonomikos oder dem Hipparchikos zu ergänzen.
Downloadmöglichkeit
Der Beitrag ist nicht nur im Druck erschienen, sondern kann auf der Website des Friedrich Verlages auch als digitale Fassung erworben werden.
weiterführende Literatur
Wenn Sie sich intensiver mit Xenophon und seiner Theorie der Menschenführung beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende Literatur:
Buxton, R. F. (ed.): Aspects of Leadership in Xenophon, Newcastle 2016 (Histos; Suppl. 5).
Mueller-Goldingen, C.: Xenophon. Philosophie und Geschichte, Darmstadt 2007.
Nickel, R.: Xenophon. Leben und Werk, Baden-Baden 22023 (Nova Classica; Bd. 6).
Sandridge, N. B.: Loving, Humanity, Learning, and Being Honored. The Foundation of Leadership in Xenophon’s Education of Cyrus, Cambridge (Mass.) / London 2012 (Hellenic Studies; 55).
Wood, N.: Xenophon’s Theory of Leadership, in: Classica et Mediaevalia 25 (1964), S. 33–66. [Wieder abgedruckt in: Wheeler, E. L.: The armies of classical Greece, Aldershot 2007, S. 447-480.]
Anfang Juni hat der Deutsche Altphilologenverband Hamburg e. V. einen neuen Vorstand gewählt. Ich freue mich, nun als neuer Erster Vorsitzender gemeinsam mit Claudia Schindler, Florian Faber und Maximilian Diers an die erfolgreiche Arbeit des bisherigen Vorstandes (Anne Uhl, Claudia Schindler, Andre Lohmann und Peter Probst) anzuknüpfen und mich für die Alten Sprachen an den Hamburger Schulen und an der Universität einzusetzen.
Die längste Zeit der Kriegsgeschichte hindurch waren Tiere ein wesentlicher Bestandteil von Kriegen und Konflikterfahrungen. In Frank Jacobs Sammelband War and Animals – Non-Human Actors in Human Made Conflict wird deshalb die Rolle von Tieren in kriegerischen Auseinandersetzung im Laufe der Menschheitsgeschichte global unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht:
Magnus Frisch, The Role of Animals in Ancient Greek and Roman Military Manuals. In: Frank Jacob (ed.), War and Animals. Non-human Actors in Human Made Conflict. Paderborn 2024 (War (Hi)Stories; Bd. 14). S. 65-92.
Tiere in der Antike
Tiere spielten in der griechisch-römischen Antike eine wichtige Rolle: sei es als Nahrungsquelle, als Opfertiere, als Reittiere, als Zug- und Lasttiere, als Wolllieferanten, als Unterstützung bei der Jagd oder als Wächter und Beschützer.
Gerade im Krieg waren Tiere umso wichtiger, nicht nur für den Transport und die Versorgung, sondern auch für die Weissagung, aber auch für taktische Aufgaben als Reittiere, Wachhunde oder Boten. Es lohnt sich daher, die Rolle der Tiere in ihren verschiedenen Funktionen in den Militärhandbüchern der griechisch-römischen Antike zu untersuchen.
Tiere in militärischen Fachschriften der Antike
In meinem Kapitel habe ich daher untersucht, welche Tiere in den militärischen Fachschriften der griechisch-römischen Antike im Hinblick auf ihre Funktion im Krieg behandelt werden. Vor allem Hunde, Pferde, Rinder und Maultiere spielen in diesen Schriften eine Rolle, aber auch Gänse, Vögel und Bienen werden in einigen von ihnen behandelt.
Die Gattung der antiken militärischen Fachliteratur reicht von der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. bis in die Spätantike und setzt sich bis in die byzantinische Zeit fort. Sie lässt sich zudem in verschiedene Untergattungen unterteilen: poliorketische Schriften, die sich mit der Belagerung von Städten befassen; taktische Schriften, die sich mit der Anordnung und den Bewegungen der Truppen auf dem Schlachtfeld befassen; strategische Schriften, die alle Aspekte der Kriegsführung von der Auswahl eines geeigneten Befehlshabers bis zum Friedensschluss behandeln, sowie Schriften zu einzelnen Spezialthemen wie Xenophons Ratschläge für den Befehlshaber der athenischen Kavallerie (Hipparchikos) und sein Handbuch für Reiter (Peri hippikes).
Ich habe deshalb auch die Unterschiede in der Behandlung von Tieren je nach Untergattung oder Zeit analysiert und die Gründe für diese Unterschiede erörtert. Zum besseren Verständnis eines breiteren Leserkreises, zu dem nicht nur Althistoriker und Altphilologen gehören, habe ich darüber hinaus einen kurzen Überblick über die Rolle bestimmter Tiere in der Antike – mit Schwerpunkt auf der militärischen Nutzung – sowie über die Gattung der Militärschriften gegeben.
Warum Cornelius Nepos im Lateinunterricht eine Renaissance verdient
Cornelius Nepos galt lange Zeit als umstrittener Schulautor. Seine biographischen Texte wurden von der Fachwissenschaft und der Fachdidaktik oft gegensätzlich bewertet – zu einfach im Stil, zu begrenzt im Anspruch. Doch der 2015 erschienene Sammelband Geschichte und Gegenwart: Beiträge zu Cornelius Nepos aus Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Unterrichtspraxis (Philippika, Band 91) von Felix M. Prokoph und Boris Dunsch stellt sein Werk in ein neues Licht.
Mein Beitrag in diesem Band trägt den Titel: Begründung und Auswahlkriterien für die Lektüre von historiographischen und biographischen Texten am Beispiel der Nepos-Lektüre (S. 137-166). Darin analysiere ich, welche Kriterien bei der Auswahl von Texten für den Lateinunterricht eine Rolle spielen und warum Nepos’ Viten gerade im schulischen Kontext besonders geeignet sind.
Einerseits biete ich einen Überblick über allgemeine Prinzipien der Textauswahl, andererseits zeichne ich die historische Entwicklung der Nepos-Lektüre im Lateinunterricht nach. Die Argumentation fokussiert sich darauf, wie Nepos’ Werke sowohl sprachliche Zugänglichkeit als auch tiefgreifende historische Reflexion verbinden. Seine Texte sind ideal, um Schülerinnen und Schüler nicht nur mit der antiken Geschichtsschreibung und Biographie, sondern auch mit zentralen ethischen und politischen Fragen seiner Zeit vertraut zu machen.
Dieser Ansatz reflektiert das zentrale Anliegen des Sammelbandes: Nepos nicht isoliert, sondern im Kontext seiner bewegten Epoche zu betrachten. Auf diese Weise werden historische und gesellschaftliche Dynamiken sichtbar, die auch für heutige Leserinnen und Leser Relevanz haben.
Durch den Sammelband erhält Nepos eine neue Relevanz – als Brückenbauer zwischen Geschichte und Gegenwart sowie als Autor, dessen Werk auch in der Schulpraxis eine Renaissance erfahren sollte.
Cicero ist auch heute noch aus dem Lateinunterricht nicht wegzudenken. Im November 2018 hat sich deshalb eine fachdidaktische Tagung an der Universität Göttingen mit dem Bildungswert der Schriften Ciceros beschäftigt.
Aus dieser Tagung ist ein Sammelband hervorgegangen:
Peter Kuhlmann / Valeria Marchetti (Hrsgg.), Cicero als Bildungsautor der Gegenwart. Heidelberg 2020 (Ars Didactica: Alte Sprachen lehren und lernen; Bd. 6).
Ich habe mich auf der Tagung und für den Sammelband mit den philosophischen Schriften Ciceros auseinandergesetzt:
Ciceros Reden, redetheoretische Schriften und Briefe im Unterricht
Ein Blick in die Curricula verschiedener Bundesländer zeigt, dass sowohl Reden und redetheoretische Texte als auch Briefe sowie philosophische Texte Ciceros zur Lektüre vorgeschrieben oder empfohlen werden. Angesichts von Quintilians Lob auf Cicero als rednerisches und literarisches Vorbild (Quint. inst. XII praef.) und Ciceros eigener politischer Rolle in der Endzeit der römischen Republik erscheint das für seine Reden und seine rhetorischen Schriften auch als leicht nachvollziehbar.
Gründe für die Lektüre der philosophischen Schriften Ciceros
Da allerdings Cicero die philosophische Bildung und die Beschäftigung mit der Philosophie für notwendige Voraussetzungen für die Ausbildung des Redners hielt, liegt es nahe, auch philosophische Schriften Ciceros mit Schülern zu lesen.
Zudem gilt Cicero als derjenige, der die griechische Philosophie den Römern in lateinischer Sprache zugänglich gemacht und überhaupt erst eine lateinische Terminologie für die Philosophie geschaffen hat.
Dementsprechend drängt es sich beinahe auf, Ciceros philosophische Schriften – oder besser: Auszüge daraus – mit Schülern im Lateinunterricht zu lesen. Zu klären ist allerdings, welche Textstellen zu welchen Themen man wann mit welchen Schülern auf welche Weise behandelt.
Überblick über den Sammelbandbeitrag “Cicero philosophus – Ciceros philosophische Schriften im Lateinunterricht”
Themenschwerpunkte
In meinem Beitrag habe ich mich deshalb vor allem mit der Textauswahl, sprachlichen und inhaltlichen Schwierigkeiten sowie Ansätzen zur Behandlung solcher philosophischer Texte im Lateinunterricht auseinandergesetzt. Dabei bin ich besonders auf die Möglichkeiten eingegangen, aus Ciceros Texten gegebenenfalls einen philosophiegeschichtlichen Überblick zu gewinnen, und auf die Möglichkeiten, die seine philosophischen Texte zum existentiellen Transfer und als Anregung zum Selbst- und Weiterphilosophieren der Schülerinnen und Schüler bieten.
Inhaltsübersicht
Dazu habe ich zum Einstieg einen knappen Überblick über Cicero als philosophischen Schriftsteller und „Philosophen“ sowie einen Abriss über die von ihm behandelten Themen, die von ihm verfassten philosophischen Werke und deren Form sowie über seine Gründe für das Philosophieren gegeben. Anschließend habe ich den Aspekt der Vermittlung griechischer Philosophie durch Cicero näher beleuchtet und die eigentlichen didaktischen und methodischen Fragen der Behandlung von Ciceros Schriften im Lateinunterricht diskutiert. Eine umfangreiche Bibliographie zu einschlägigen philologischen, philosophischen und fachdidaktischen Publikationen zu Ciceros philosophischen Texten ergänzt den Beitrag.
Fazit
Ciceros philosophisches Prinzip des ‘utramque partem dissere’, das sich an der akademischen Skepsis orientiert, ist meines Erachtens auch für das Denken und Leben in unserer Zeit eine geeignete Richtschnur.
Damals wie heute ist es wichtig, dass junge Menschen ihre Urteilsfähigkeit für die eigene Lebensführung und für ihr gesellschaftliches oder auch politisches Engagement schärfen, eine sichere und ruhige Haltung für das Leben und den Umgang mit dessen Widrigkeiten gewinnen und sich und ihren Mitmenschen “nützen”, wie Cicero es formuliert. Auch heute ist eine philosophische Grundhaltung hilfreich und wichtig, um angemessen über die Welt und konkrete Fragen und Probleme reden und „mitreden“ zu können.
Zudem kann die Beschäftigung mit Auszügen aus den philosophischen Schriften Ciceros sicher auch dazu beitragen, der jungen Generation das Philosophieren als „Kulturtechnik“ und „Lebensform“ nahezubringen und damit einen echten Bildungswert zu gewinnen.
Der altsprachliche Unterricht steht vor der Aufgabe, Schülerinnen und Schülern nicht nur sprachliche Fertigkeiten und kulturelle wie auch literaturhistorische Kenntnisse, sondern auch ein Verständnis für die ästhetischen und strukturellen Elemente antiker Dichtung zu vermitteln. Ein zentrales Element dabei ist die Metrik.
Auch wer „nur“ das Latinum anstrebt, kommt an Dichtung kaum vorbei, ob es nun bei der Lektüre von Phaedrus’ Fabeln oder aber von Auszügen aus Ovids Metamorphosen sei. Wer Latein in der Oberstufe weiterführt, befasst sich selbstverständlich noch intensiver mit Dichtung: Ovid, Vergil, Horaz, Catull und Martial sind nur einige typische Autoren für die Dichtungslektüre im Lateinunterricht. Homer, Sophokles und Euripides sind typische Beispiele für den Griechischunterricht. Die Curricula schlagen eine Vielzahl poetischer Texte als mögliche Lektüren vor.
Allein die oben aufgeführte unvollständige Autorenauswahl zeigt schon, dass man allein mit der Behandlung von daktylischem Hexameter und elegischem Distichon nicht besonders weit kommt, will man nicht die Textauswahl nach solchen, rein formalen Kriterien unnötig und unzulässig einschränken oder bei allen anderen Metra so tun, als läse man Prosa. Denn ein solches Vorgehen ermöglicht zwar eine Übersetzung, ein wirkliches Verständnis der Texte bleibt den Schülern aber verwehrt, da ihnen die Wirkung des Metrums, der Verseinschnitte, der Betonung bestimmter Positionen im Vers und nicht zuletzt ästhetische Aspekte verborgen bleiben oder allenfalls indirekt durch den metrischen Vortrag des Lehrers oder eine stilistische Analyse erschlossen werden.
Magnus Frisch, Vorwort, in: Magnus Frisch (Hg.), Metrik im altsprachlichen Unterricht, Speyer 2018 (Ars Didactica, Bd. 4), S. 7.
In dem von mir 2018 in der Reihe Ars Didactica herausgegebenen Sammelband Metrik im altsprachlichen Unterricht wird die Metrik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um Lehrenden sowohl fachliche und didaktische Grundlagen als auch praktische Ansätze für den Unterricht an die Hand zu geben.
Magnus Frisch (Hg.), Metrik im altsprachlichen Unterricht. Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2018 (Ars Didactica – Marburger Beiträge zu Studium und Didaktik der Alten Sprachen; Bd. 4).
Inhalt des Bandes:
Der vorliegende Band bietet eine reichhaltige Sammlung an Beiträgen, die sich mit der Metrik im altsprachlichen Unterricht befassen. Die Autoren und ihre Beiträge decken ein breites Spektrum ab:
Didaktische und methodische Fragestellungen:
Lehrerbefragung und Lehrplanvergleich: Eine Online-Befragung von Lehrenden (Magnus Frisch) und ein Vergleich der Lehrpläne (Jens Pickenhan) liefern wertvolle Einblicke in die aktuelle Praxis und Herausforderungen der Vermittlung antiker Metrik im schulischen Unterricht.
Grundlagen des metrischen Lesens:
Einführung: In einem grundlegenden Beitrag befasse ich mich mit den Gründen und Lernzielen für die Beschäftigung mit der lateinischen und griechischen Metrik im Unterricht sowie mit allgemeinen didaktisch-methodischen Überlegungen.
Metrisches Lesen und Einführung in die Metrik: Hans-Joachim Glücklich setzt sich kritisch mit dem Iktieren auseinander und plädiert für ein natürliches, quantitierendes Lesen. Heike Wolf und Katharina Waack-Erdmann bieten Einführungen in die lateinische und griechische Metrik.
Praktische Unterrichtsbeispiele:
Merkverse und Dichtungslektüre: John Bulwer untersucht die Verwendung von Merkversen. Gregor Bitto, Wolfgang Schoedel und Fabiola Dengler präsentieren Unterrichtsreihen zu Ovid, Catull und Terenz. Christoph Kugelmeier widmet sich lyrischen Versmaßen.
Erweiterte Themenbereiche:
Metrik und Musik sowie Prosarhythmus: Immanuel Musäus beschäftigt sich mit der Musikalität antiker Dichtung und ihrer Vertonung. Boris Dunsch plädiert für die Berücksichtigung des Prosarhythmus im Unterricht und zeigt Wege zu dessen induktiver Einführung.
Kreatives Schreiben:
Dichten auf Latein: Anna Elissa Radke regt dazu an, Schülerinnen und Schüler selbst auf Latein dichten zu lassen und bietet Beispiele aus ihrer eigenen Praxis.
Zielsetzung und Ausblick:
Dieser Band verfolgt zwei zentrale Ziele: zum einen die Anregung einer fundierten fachdidaktischen Auseinandersetzung mit der Metrik und zum anderen die Bereitstellung konkreter Anregungen für die Unterrichtspraxis. Durch die Beiträge soll die Metrik nicht nur als technisches Mittel zur Textanalyse verstanden, sondern als integraler Bestandteil des ästhetischen Erlebens und Verstehens antiker Dichtung vermittelt werden.
Schlussbemerkung:
Ich hoffe, dass dieser Band weiterhin als wertvolle Ressource für Lehrende der alten Sprachen dient und dazu beiträgt, die Bedeutung der Metrik im Unterricht stärker zu verankern. Für weitere Anregungen und den fachlichen Austausch stehe ich gerne zur Verfügung.
Weiterführende Ressourcen:
Eine umfassende Arbeitsbibliographie am Ende des Bandes bietet zusätzliche Literaturhinweise zur Vertiefung und weiterführenden Studien zur Metrik und ihrer didaktischen Vermittlung.
Als man das Lateinschreiben und das Übersetzen ins Lateinische aus dem schulischen Curriculum gestrichen hat, hat man dafür einige Gründe angeführt – der überzeugendste davon war sicher der Zeitmangel angesichts gekürzter Stundentafeln. Was dabei jedoch nicht berücksichtigt wurde, waren die lernpsychologischen und neurolinguistischen Grundlagen des Spracherwerbs, die sich auch für die sogenannten „toten Sprachen“ Latein und Griechisch nicht ohne Folgen ignorieren lassen.
Die Vorteile solcher Übungen für die Übung und Festigung des Wortschatzes, der Formenlehre und des Satzbaus liegen auf der Hand. Sie lassen sich mit Ansätzen des Latine loqui verbinden, aber auch unabhängig davon einsetzen.
Ich werde daher nach einem kurzen Abriss der Geschichte des Lateinschreibens im Unterricht und seiner de-facto-Abschaffung ausführlich die Vorteile des aktiven schriftlichen Latein-/Griechischgebrauchs im Unterricht darlegen und die Ergebnisse einer bereits 2014 im Rahmen einer von mir betreuten Staatsexamensarbeit durchgeführten Lehrendenbefragung diskutieren. Darauf aufbauend werde ich verschiedene Möglichkeiten für den aktiven schriftlichen Sprachgebrauch der „toten Sprachen“ aufzeigen, die ich auch in meiner eigenen Unterrichtspraxis verwende. Abschließend werde ich Desiderate an die Adresse der Lehrbuchverlage formulieren.
Selbstverständlich freue ich mich sehr, wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit solchen Übungen aktiv in unser Kamingespräch mit einbringen.
Ich beschäftige mich nun schon seit einigen Jahren mit den militärischen Fachschriften der griechisch-römischen Antike.
Da dieses Thema nicht nur Althistoriker, Klassische Philologen und Militärhistoriker, sondern auch aktive und ehemalige Offiziere der Bundeswehr interessiert, schreibe ich seit diesem Jahr eine Artikelreihe dazu im Panzerspähtrupp, dem Nachrichtenblatt des Freundeskreises der Heeresaufklärer.
In den folgenden Ausgaben des Panzerspähtrupps werden jeweils einzelne oder mehrere thematisch eng zusammenhängende Werke dieser Literaturgattung vorgestellt. Neben einem inhaltlichen Überblick und einer historischen Einordnung finden Sie auch Hinweise auf moderne Übersetzungen, Kommentare und Forschungsliteratur, die Ihnen den Zugang zu diesen Schriften und die Auseinandersetzung damit ermöglichen. Bei der Vorstellung dieser Werke gehe ich besonders auf die Rolle der Reiterei, der Aufklärung und des militärischen Nachrichtenwesens ein.
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